Vorstellung der neuen Broschüre und Zeitzeugin-Gespräch am 11.09.

Tag der Erinnerung und Mahnung, 11.09. um 14.30 Uhr am Lustgarten

Wir stellen die neue Ausgabe unserer Interview-Broschüre „Fragt uns, wir sind die Letzten.“ vor. Im Anschluss sprechen wir mit Marianne Kaufhold über ihr Leben als sogenannte „Halb-Jüdin“ im Nationalsozialismus. Kaufhold wurde 1927 als Marianne Levi in Berlin geboren. Ihre Eltern betrieben ein Herrenartikelgeschäft im Wedding, welches während der Novemberpogrome 1938 beschmiert wurde. Kaufhold musste im selben Jahr die Schule verlassen, weil die Nazis sie als „Halb-Jüdin“ einstuften. In einer halb-legalen Schule für Verfolgte konnte sie weiter zur Schule gehen und später unter schwierigen Bedingungen eine Lehre beginnen.

Broschüre erschienen

Die Broschüre „Fragt uns, wir sind die Letzten“ (Teil 2) ist eine Interview-Broschüre, die Erinnerungen von Verfolgten und Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand aufzeichnet. Diese Erinnerungen sind ein bedeutendes Gegengewicht zu herrschenden Geschichtsbildern und auch zu denjenigen Zeitzeug_innen, die scheinbar von nichts wussten – vor allem nicht von ihrer eigenen Schuld. Wir erwarten von den Zeitzeug_innen nicht, dass sie uns Geschichte objektiv vermitteln. Uns geht es gerade um die individuellen Schlüsse und die Bewertungen, die uns nur Verfolgte und Menschen aus dem Widerstand vermitteln können. Unsere Interviews orientieren sich dabei weniger an einem wissenschaftlichen, vermeintlich objektiven Zugang zu Geschichte, sondern vielmehr an einem persönlichen. Wie erlebten Menschen Verfolgung und/oder Widerstand? Welche Erkenntnisse zogen sie daraus? Was waren (und sind) ihre Beweggründe, sich gegen faschistisches Gedankengut einzusetzen?

Die Möglichkeit der Begegnung mit Verfolgten und Menschen aus dem Widerstand wird es schon bald nicht mehr geben. Umso dringlicher ist es, mit jenen Menschen ins Gespräch zu kommen, ihr Wissen zu bewahren und gleichzeitig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir ersetzen mit dieser Broschüre keine historisch-wissenschaftliche Aufarbeitung oder gar eine theoretische Auseinandersetzung. Uns geht es darum, marginalisierte Perspektiven sichtbar zu machen und darum, dass diese Perspektiven jetzt sichtbar gemacht werden. In diesem Sinne stellt die Broschüre auch eine Aufforderung zum Aktiv-Werden dar. Ihr findet die zweite Ausgabe der Broschüre ab der kommenden Woche in gut sortierten Berliner Info- und linken Buchläden, beim VVN-BdA sowie auf dieser Seite. Die erste Ausgabe ist ebenfalls zum Download und als Druckausgabe beim VVN-BdA erhältlich.