Archiv für September 2013

4. Broschüre von „Fragt uns, wir sind die Letzten“ erschienen

Der Arbeitskreis „Fragt uns, wir sind die Letzten“ besteht aus Menschen aus verschiedenen antifaschistischen Zusammenhängen, die sich aktiv mit der Geschichte des NS auseinandersetzen. Uns geht es darum, die Perspektiven von Verfolgten und Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand zu bewahren und sichtbar zu machen. Seit 2010 veröffentlichen wir deswegen jährlich eine Broschüre mit Interviews mit Überlebenden. Nun ist die vierte Broschüre erschienen und wie die ersten drei online oder als Print-Ausgabe bei der Berliner VVN-BdA erhältlich.

Erwin Widschwenter (geb. 1908 in Tirol, gest. 2009 in Linz) berichtet von seiner Inhaftierung als Homosexueller durch die Nazis und der Diskriminierung unter amerikanischer Besatzung und in der Republik Österreich. Sonja Kurella-Schwarz (geb. 1924 in Leipzig) erzählt, wie sie als Kind den Widerstand ihrer kommunistischen Eltern unterstützte und die Hinrichtung ihres Vaters durch die Nazis erlebte. Auch Peter Neuhof (geb. 1925 in Berlin) musste als Jugendlicher die Ermordung seines Vaters und die Deportation seiner Mutter ins KZ erleiden. Nur durch großes Glück überlebte er als „Halbjude“ die systematische Verfolgung durch das NS-Regime. Klaus Ulrich Rabe (geb. 1926 in Zwenkau bei Leipzig) berichtet ebenfalls von seiner Verfolgung als „Halbjude“ und wie er zur Zwangsarbeit nach Frankreich verschleppt wurde. Anna Szelewicz (geb. 1925 in Wólka Sobieszynska) schließlich erzählt, wie sie nach der Besetzung Polens durch die Wehrmacht und die Rote Armee zunächst zur Zwangsarbeit in ein sowjetisches Arbeitslager verschleppt wurde. Später kämpfte sie an der Seite der Roten Armee gegen die Nazis.

Uns geht es nicht darum, die Vergangenheit zu „bewältigen“ oder mit ihr abzuschließen. Vielmehr möchten wir marginalisierte Perspektiven sichtbar machen und aus den Erfahrungen der Überlebenden Konsequenzen für unser Denken und Handeln heute ziehen. Wir erheben dabei nicht den Anspruch, alle unterschiedlichen Formen der NS-Verfolgung darzustellen und die vielfältigen Erfahrungen und Sichtweisen von Verfolgten und Menschen aus dem Widerstand repräsentativ abzubilden. Die geschilderten Verfolgungs- und Widerstandsgeschichten verstehen wir als Appell, sich Neonazis und menschenfeindlichem Gedankengut in der Gesellschaft entgegenzustellen und für emanzipatorische Ideen einzutreten. In diesem Sinne stellt die Broschüre auch eine Aufforderung zum Aktivwerden dar.

Wir freuen uns über Rückmeldungen per mail an fragt-uns-bro­schue­re[at]web.​de