6. Broschüre von „Fragt uns, wir sind die Letzten“ erschienen

Die sechste Broschüre der Reihe „Fragt uns, wir sind die Letzten” ist erschienen: Sie enthält Interviews mit Überlebenden, die im NS verfolgt wurden und/oder im Widerstand waren. Ihr könnt die Broschüre hier online herunterladen oder als Print-Ausgabe bei der Berliner VVN-BdA bestellen.
Paraskewi Labraki wurde im Jahre 1923 in einem kleinen Dorf auf Kreta geboren, wo sie Zeugin der deutschen Besatzung wurde. Dort erlebte sie als junge Frau die menschenverachtenden Schikanen und alltäglichen Übergriffe der Besatzer. Im September 1943 wurde Paraskewi Labraki Zeugin des „Holocaust von Viannos“ – einer brutalen „Vergeltungsaktion“ der Wehrmacht.
Der für die Massaker auf Kreta verantwortliche General war zuvor bereits am Angriffskrieg gegen die Sowjetunion beteiligt. Was dieser – als „Unternehmen Barbarossa“ titulierte – rassistische Vernichtungskrieg für die jüdische Bevölkerung bedeutete, wird im Interview mit Tomasz Miedziński deutlich. Als Jugendlicher erlebte er den Einmarsch der Wehrmacht in Ost-Galizien, die Mordaktionen der deutschen „Einsatzgruppen“ und die systematische Ghettoisierung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden. Mehrmals gelang ihm die Flucht, ehe er sich einer sowjetischen Partisaneneinheit anschloss.
Noch vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion beginnt Adela Żurawskas Narration über den 2. Weltkrieg. Im heutigen Südosten Polens geboren, wurde sie als junge Frau 1940 Opfer der sowjetischen Besatzung. Die sowjetischen Behörden veranlassten ihre Verschleppung in das Gebiet des mittleren Urals, wo sie in einer Kupfermine Zwangsarbeit verrichten musste. Im Zuge ihrer „Amnestie“ schloss sich Żurawska einem Frauenbataillon der 1. Polnischen Infanterie-Division an, in dem sie für die Befreiung Warschaus kämpfte.
Als „Halbjüdin“ von den Nazis verfolgt, erlebte Vera Friedländer die schrittweise Ausgrenzung und Entrechtung von Jüdinnen und Juden im NS von Anfang an. Sie berichtet unter anderem, wie 1933 erst das Ausflugslokal ihrer Eltern geschlossen, später das von diesen eröffnete Lebensmittelgeschäft boykottiert wurde. 1943 nahmen die Nazis ihre Mutter bei der „Fabrikaktion“ fest, 1944 wurde ihr Vater zur Zwangsarbeit bei der Organisation Todt eingezogen. Sie selbst musste Zwangsarbeit im Reparaturbetrieb von Salamander in Berlin leisten und erzählt von ihren Auseinandersetzungen mit dem Schuhkonzern, der bis heute leugnet, jüdische Zwangsarbeiter_innen beschäftigt zu haben.
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